In früheren Zeiten spielten Fische auf dem Speiseplan eines Großteils der Bevölkerung in unserer Gegend kaum eine Rolle. In der gehobenen Gesellschaft oder auch in Klöstern erfreute man sich jedoch besonders an Freitagen oder in der Fastenzeit an wohlschmeckenden Fischgerichten als fleischlose „Fastenspeise“.

In einigen Orten des Zillertals taucht auch der Hausname „Fischerhäusl“ auf, was doch auf eine gewisse Bedeutung der Fischerei in Zillertaler Gewässern schließen lässt.

Vorbereitungen zum Fischen am ehemaligen Aschauer Weiher.jpg

Vorbereitung zum Fischen am ehemaligen Aschauer Weiher

Vom Fischereirecht des 15. und 16. Jahrhunderts

Alte Schriften aus dem 15. Jhdt. besagen ebenso wie ein Vertrag aus dem Jahre 1533, dass der Tiroler Landesfürst auch im salzburgischen Gebiet des Zillertales Fischereirechte besessen hat.
Und zwar handelte es sich dabei um sämtliche linksufrigen Gebiete des Tales von der Zillermündung bis zum Niklasbach im Tuxertal. Auf der rechten Zillerseite allerdings nur bis zur Brücke bei Zell. Ab dort stand das Recht zur Fischerei im Besitz des Salzburger Erzbischofs. Es beinhaltete auch sämtliche Seitenbäche in der Gerlos, der Hollenz (heute Zillergrund), Stillupp, Zemm und auf der rechten Seite des Tuxbaches.

Die Zeller Brücke bildete die Grenze zwischen den Fischereirevieren der Tiroler Landesfürsten und der Salzburger Erzbischöfe.jpg

Die Zeller Brücke bildete die Grenze zwischen den Fischereirevieren der Tiroler Landesfürsten und der Salzburger Erzbischöfe

Vorschriften für die Fischerei

In dem Vertrag aus dem 16. Jhdt. war ein Verbot für das Fangen von jungen Fischen festgehalten, um die Fischweiden nicht „auszuöden“. Ebenso war das Verwenden von gewissen engmaschigen Fangnetzen untersagt. Schon damals wurde das Fangrecht auf bestimmten Strecken des Flusses und der Bäche an mehrere Fischer „um wenig oder viel verlassen“, das heißt verpachtet.

Pfleger und Propst von Zell und Kropfsberg hatten zudem ihre eigenen „Hausfischer“. Im Jahre 1670 wurde mit der Festlegung neuer Grenzen auch der genannte Vertrag über das „edle Fischwasser des Ziller“ erneuert. 

Badesee anstelle des ehemaligen 28 ha großen, fischreichen Schlitterer Sees.jpg

Badesee anstelle des ehemaligen 28 ha großen, fischreichen Schlitterer Sees


Der Schlitterer See, ein besonders ergiebiges Fischwasser

Der damals ziemlich große Schlitterer See wurde erstmals um 1470 als besonders ergiebiges Fischwasser erwähnt. Zwischen 1483 und 1484 wurde sogar ein schönes „Lustfischerhaus“ am See errichtet. Um 1500 schien das Fischerei-Eldorado dann auch im Fischereibuch von Kaiser Maximilian auf. Dieser veräußerte den See allerdings um 1504 an Hans Fueger, später ging er an den Grafen von Liechtenstein bzw. Sebastian Keutschach über.

Um 1579 wurde wiederum von einem Rückkauf des Sees an den Tiroler Landesfürsten um 1300 Gulden berichtet. Noch im 18.Jhdt. hatte der Schlitterer See eine Fläche von 28 ha und erbrachte beim jeweiligen Abfischen und Auslassen des Wassers alle 5 Jahre einen Ertrag von 50 Zentnern Karpfen und 12 Zentnern Hechte.

Dabei wurden auch das Kloster St. Martin und die Franziskaner in Schwaz mit einem gewissen Anteil bedacht. Bald nach 1790 ließ die Regierung jedoch den See trocken legen, wie fast alle anderen Seen und Teiche Tirols. Nur ein kleiner Teil des Seegrundes blieb als Moor erhalten, der Rest wurde in bessere Wiesen verwandelt.

Fischen im Gerlosbach.jpg

Fischen im Gerlosbach

Die Fischerei heute

Der Ziller weist trotz des Schwellbetriebes, verursacht durch die Kraftwerke, einen beachtlichen Bestand an Regenbogenforellen und Äschen auf. Sportliche Bergbachfischer finden auch in den meisten Seitenbächen guten Fischbestand vor, meist Forellen und Bachsaiblinge.

Aber auch an den Speicherseen kann geangelt werden, und wenn es der „Fischerstress“ zulässt sogar mit wunderbarem Blick auf die Zillertaler Bergwelt. Manche Hotels und Gasthöfe können ihren fischereibegeisterten Gästen zudem die Möglichkeit zum Fliegenfischen in hauseigenen Fischereigewässern anbieten.

Fischwasser mit  Berg-Blick.jpg

Fischwasser mit Berg-Blick

 

Textquellen: Stolz / Schlern-Schriften, Hans Vilas "Das Schwazer Bezirksbuch"
Bildquellen: Archiv Walter Ungerank, Ferdl Brugger, Franz Strobl

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