Es geht schu dem Zillertal zua...

Bereits im Jahre 1154 wurde erstmals ein alter Saumweg über den „saltus gerlaise“ - den Gerlospass - urkundlich erwähnt. Auf diesem Weg lieferten die Bauern des Hochtales verschiedene Güter als Zins zu ihren Grundherren, den Erzbischöfen von Salzburg. Mit der Entdeckung des Zeller Goldbergbau schien es immer wichtiger, statt des Saumpfades eine befahrbare Strecke als „inländische“ Verbindung zwischen Salzburg und dem Zillertal zu schaffen, um das Golderz zur Verhüttung in den großen Schmelzhütten im Pinzgau nicht durch „tirolerisches und bayrisches Ausland“ karren zu müssen.

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Eine 16 Werkschuh (3 m) breite Fahrstraße sollte entstehen, auf der „zwei Fuhrwerke leicht füreinander vorbeikommen können“. Diese Straße aus der Zeit um 1630 wurde jedoch im Laufe der Jahre immer wieder durch Hochwasser und Erdrutsche derart vermurt, dass schließlich nur mehr ein Fußweg, der sogenannte „Ronachweg“ übrigblieb. Im Jahre 1868, in einer Zeit des zunehmenden Tourismus, wurde sogar der Bau einer Bahnlinie über den Gerlospass angedacht. Im „Bote für Tirol und Vorarlberg“ hieß es sehr schwärmerisch: 

„Sollte dieser Bau…je zur erwünschten Ausführung kommen, würde die Linie von Jenbach bis Mittersill unstreitig zu den interessantesten Gebirgsbahnen zu zählen sein, indem sie die Reisenden aus der fruchtbaren Thalessohle wie im Fluge in eine großartige Alpenregion führen würde…und es Gelegenheit gäbe, verschiedene teils nahe und teils entfernter gelegene Gletscher, sowie auch die Caskaden des berühmten Krimmler-Wasserfalles sehen zu können“.

Doch nicht nur aus diesen Plänen wurde nichts, auch der Ausbau einer guten Straße anstelle des mittlerweile entstandenen holprigen Fahrweges ließ noch lange auf sich warten.

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Um das Jahr 1910 wurde wieder ein ernsthafter Beschluss zum Neubau einer Straße über die Gerlos gefasst. Doch zuerst galt es einmal, zahlreiche Hindernisse und Schwierigkeiten zu überwinden. So stand die Wahl zwischen zwei Projekten im Raum: der Ausbau des alten Ronachweges nach Wald im Pinzgau oder die für den Fremdenverkehr attraktivere Variante nach Krimml mit Blick auf die Wasserfälle. Namhafte Geologen meldeten für beide Projekte schwere Bedenken an. Sie schlugen eine dritte Variante über die Gerlosplatte vor, bei der keine Tunnel gebaut werden müssten, was auch für den Schlittenverkehr von Vorteil gewesen wäre. Nicht weniger schwierig gestaltete sich dann laut Innsbrucker Nachrichten vom April 1912 die Grundablöse in Hainzenberg wegen viel zu hoher Forderungen einiger Grundbesitzer. Weiters wurde die Finanzierung in ein politisches Ränkespiel zwischen den „Linken“ und „Rechten“ im Landtag hineingezogen. Als eine Einigung völlig ausgeschlossen erschien, beendete ein Abgeordneter eine der hitzigen Sitzungen mit den Worten:

„Galilei sagte einst: Und sie bewegt sich doch. Und ich sage: Die Straße wird doch gebaut.“

Und so war es auch. Beim Straßenbau gab es aber laut Casinochronik Zell am Ziller aus der Bevölkerung sehr bald große Unmutsbezeugungen zu hören. So beklagten sich die heimischen Geschäftsleute und Gewerbetreibenden, dass alle Einkäufe für die Arbeiter auswärts getätigt würden. Die Bevölkerung aber sei mit zahlreichen Unannehmlichkeiten konfrontiert, die von den 3 - 400 größtenteils fremdsprachigen Arbeitern - „viele nicht von der besten Sorte“ - ausgingen.

Im Mai 1914 wurde der Straßenbau schließlich noch von einem gewaltigen Bergsturz am Hainzenberg beeinträchtigt, bei dem sogar ein Teil der Wallfahrtskirche Maria Rast in die Tiefe gerissen wurde.

Auf der Salzburger Seite wurde das Projekt „neue Gerlosstraße“ überhaupt erst im Jahre 1962 vollendet. Die wintersichere Mautstraße mit ihren herrlichen Aussichtspunkten wurde von Dipl. Ing. Wallack, dem legendären Erbauer der Großglockner-Hochalpenstraße, geplant. Während der letzten Jahrzehnte entwickelte sich die Gerlosbundesstraße von Zell aus schrittweise zu einer durchgehend zweispurigen, bequemen Alpenstraße und bietet heute den Autofahrern aus Nah und Fern beste Reisebedingungen.

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