Es geht schu dem Zillertal zua...

Seit ihrer Fertigstellung im Jahre 1902 gilt die Zillertalbahn als wichtiges und beliebtes Verkehrsmittel in und durch unser Tal. Doch schon von Beginn ihres Bestehens an mussten sich die Betreiber manchmal gegen Beschwerden und Schmähungen wehren und die gewählte Bauausführung rechtfertigen, wie aus einem Feuilleton aus dem Jahre 1913 hervorgeht:

„Man klagt uns vielfach an, dass wir nicht normal, sondern schmalspurig gebaut haben. Aber meine Herrschaften, wir hatten gute Gründe dafür. Sehen Sie, der Mensch liebt doch die Abwechslung; auf normalspurigen Bahnen muss man sonst immer fahren und es tut doch wohl, wieder einmal aus dem alltäglichen Geleise herauszukommen. Weiters, meine Herrschschaften, das Kleine ist immer herzig; wie niedlich sind unsere Wägelchen gegenüber den plumpen Kästen der anderen Bahnen. Wie leicht ist bei uns das Ein- und Aussteigen; da bricht sich niemand ein Bein und die Kinder brauchen keine Hilfe, und so sanft schaukelt unser Werk nach beiden Seiten, dass wir an das Gleiten eines Schiffes auf leicht bewegter See erinnert werden. Man hört auch Beschwerde führen, dass wir so langsam fahren. Meine Herrschaften, das ist nur eine subjektive Anschauung; übrigens gebe ich zu, dass wir nicht so dahinrasen wie die Autowildlinge; sehen Sie, der Mensch ist kein Eilwagen und ein eilender Mensch hat kein Glück.“

Auto_1913.jpg

Schon vor 100 Jahren gab es offenbar viele Befürworter der „Kultur der Langsamkeit“. Man wollte dem Gast Ruhe und Sicherheit bieten, wie auch schon das angeordnete Verbannen des Autoverkehrs durch die Dörfer gezeigt hat. 

Allerdings spukten auch andere Meinungen und Ideen in den Köpfen der Touristiker herum. In einem Zeitungsausschnitt vom 21. Jänner 1912 können wir lesen, dass die Zukunft des Tales auf den Straßen über Tux und das Pfitscherjoch lägen. Vertreter von Gemeinden und Interessenten des Zillertales hätten es damals als absolute Notwendigkeit erachtet, dass das Tal nicht nur nach Norden hin geöffnet sein sollte, sondern neben der in Planung stehenden Ostöffnung über die Gerlos nach Innerösterreich, vor allem auch Richtung Süden und Westen eine Verbindung haben sollte. Über das Pfitscherjoch sollte eine Straße nach Sterzing – Jaufen – Meran führen und über das Tuxerjoch wollte man das Wipptal und die Landeshauptstadt Innsbruck erreichen. 

„Geschieht das nicht“, hieß es in besagtem Artikel, „so wird das Zillertal, der älteste Liebling des Fremdenverkehrs, diesen Verkehr zum großen Teil verlieren.“ Der Gast sei nicht mehr so anspruchslos wie vor Jahrzehnten, er wolle auf guten Straßen über alle Höhen gehen und fahren können und nicht mehr auf dem gleichen Weg zurück müssen.

Die Idee von einer direkten Nord-Süd-Verbindung durch das Zillertal tauchte immer wieder auf, sogar noch um 1970 mit dem Projekt Alemagna-Autobahn. Zum Glück setzten sich damals viele Talbewohner und Politiker gegen eine „Durchzugsstraße“ ein und ersparten damit dem Tal ein noch viel stärkeres Verkehrsaufkommen.

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Einen großen Impuls zum allgemeinen Ausbau des Straßennetzes im Tal gab der stark zunehmende Fremdenverkehr in den 50-er Jahren. Später war es der Kraftwerksbau, der die Erschließung für den Verkehr bis in die Höhen ermöglichte. Die vielen Fahrzeugkolonnen während der Saison machten es damals selbst in den Ortsgebieten schier unmöglich, die Straßen zu überqueren. So gab es bald die ersten Umfahrungsstraßen und man verbreiterte die bisherigen teilweise einspurigen Engstellen. Die Explosion des Verkehrsaufkommens zwang die Verantwortlichen jedoch schon in den späten 70-ern zum Bau einer Schnellstraße und bis 1995 zur Errichtung des Brettfalltunnels. 

Und mancher leidgeplagte Einheimische und Gast, der speziell im Winter im Stau steht, hofft auch heute wiederum auf die große „erlösende“ Idee einer Verkehrsplanung, die dem Tal keine neuen Asphaltflächen beschert aber trotzdem gute Reisemöglichkeiten bietet.

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