Die denkmalgeschütze Berliner Hütte im Zemmgrund - 2044m

Vor dem Bau der Berliner Hütte diente die Alpe Schwarzenstein als Unterkunftsstätte für die Steinklauber, die sich, wie berichtet wird, „in der Gegend herumtrieben“. Von dort aus konnte man nach wenigen Minuten an das Ende des Hornkeeses (früher auch als Horner Ferner bezeichnet) gelangen. Hier wurde den Touristen eine besondere Attraktion geboten.

berliner huette

Bereits 1898 wurde von Jakob Pfister ein ca. 50m langer und 8m hoher Gang in das ewige Eis gegraben. Mittlerweile hat dieser Gletscher ein paar hundert Meter an Länge verloren.

eishoehle berliner huette

Im Jahre 1869 wurde die Alpenvereinssektion Berlin gegründet und 1875 überlegte man den Bau einer Hütte in den Alpen. Eine Abordnung entschied sich für einen Hüttenbau auf der Alpe Schwarzenstein. Die Sektion Berlin durfte das Grundstück nicht kaufen, da sie nicht rechtsfähig war, so erwarb ein Mitglied der Hüttenkommission das Gelände eben privat. Der Baumeister Johann Hotter aus Mayrhofen begann 1878 mit dem 6 x 10m aus Trockenmauerwerk aufgesetzten Gebäude, das zur Selbstversorgung ausgelegt war. Bretterwände aus Zirbenholz unterteilten den Damen- und Herrenschlafraum, sowie die Wohnküche und einige Heulager im Dachgeschoß.

berliner huette zillertal


Am 28. Juli 1879 wurde diese erste Schutzhütte in den Zillertaler Alpen eingeweiht. Bereits nach zwei Jahren war das Grundstück und Gebäude durch die gute Frequentierung durch zahlreiche Besucher schuldenfrei. 1882 erfolgte der Ausbau des ursprünglichen Almsteiges zu einem Saumpfad, welcher weitere Besucher brachte. In diesem Zuge wurde sicher auch der Steig durch die Klamm neu angelegt. Der alte Steig führte bei Klammbeginn weit hinauf – querte weit oben den Felsbereich und führte am Klammende wieder herunter.
Der Besucherandrang muss gewaltig gewesen sein, denn die Hütte bekam ab 1883 sogar einen Pächter, der in den Folgejahren (1885, 1892, 1899 und 1911) am ursprünglichen Gebäude an-, um- und zugebaut hat.

Die ersten Hütten im Zillertal boten durchwegs nur einfache Unterkünfte, jedoch keinen Komfort, aber die Berliner Hütte scheint schon 1887 aus der Rolle gefallen zu sein. Darüber wird launisch vermerkt: "Die Berliner Hütte hat Nachttöpfe und einen Abort, dieser noch dazu eine herrliche Aussicht. Die Dominikus-Hütte hat nur Nachttöpfe und die Olperer-Hütte weder das eine, noch das andere". Mittlerweile herrschen aber auf jeder Hütte in den Zillertaler Alpen einwandfreie sanitäre Zustände.

1898 bekam die Hütte einen eigenen Telefonanschluss über eine Freileitung, die von Ginzling herauf führte, 1900 eine Dunkelkammer für die Entwicklung von Fotomaterial, 1906 sogar ein eigenes Postamt und 1908 eine Schuhmacherwerkstatt. 1909/10 wurde das sogenannte Haupthaus errichtet, somit bot die Berliner Hütte drei Speiseräume (einen mit Panoramafenster), rote Teppiche und über 63 Zimmer mit 100 Betten und 20 Matrazenlagern, sowie Unterkunfsräume für 20 Dienstboten. 1910 wurde das Wasserkraftwerk zur Stromerzeugung fertiggestellt. Somit konnten die Speisesäle und teilweise auch Zimmer beheizt werden. Durch die vielen Investitionen entwickelte sich ein “Stück Berlin in den Alpen”. Diese Hütte ist ein eindrucksvolles Zeugnis aus jener Zeit, als das Deutsche und dessen Hauptstadt sich mit Glanz und Gloria auch im Hochgebirge darstellen musste.

Seit 1997 ist die Berliner Hütte nicht zuletzt wegen ihres einmaligen Speisesaales eine denkmalgeschütze Alpenvereinshütte.


Geschichte: Berliner Hütte


Die Berliner Hütte während der Weltkriege
Im Jahre 1915 wurden 600 Soldaten auf der Berliner Hütte stationiert. 1921 – 1925 wurde knapp unterhalb der Hütte ein Kriegerdenkmal errichtet. 1931 war die Hütte zum ersten Mal im Winter (Feber – April) für Schibergsteiger geöffnet. Auch während des zweitenWeltkrieges wurden bei dieser Hütte Hochgebirgsausbildungen für die Soldaten durchgeführt.

berliner huette alt

Während des zweiten Weltkrieges wurden im Zemmgrund in den Sommermonaten Pferde, die man für den Kriegsdienst brauchte, im Bereich der Waxeggalm für das Hochgebirge ausgebildet. So mancher Ginzlinger hatte in dieser Zeit den Bauch nicht immer voll und schon gar nicht Fleisch auf seinem Speisezettel. Also verschwand immer wieder einmal ein Pferd aus dem staatlichen Eigentum auf „mysteriöse Weise“. Die zuständigen Hirten blickten wohl hinter dieses Mysterium und machten jedesmal eine leicht erklärbare Meldung an das Militärkommando: „Pferd abgestürzt.“ Nun häuften sich aber diese Vorkommnisse und man verlangte als Beweis die „Decke“ (Haut) des Pferdes, um die vielleicht vorgetäuschten Unfälle aufzuklären.

Das Aufsichtspersonal für den Pferdebestand war jedoch schlau genug, um nicht in diese Falle zu tappen und gab zukünftig die Meldung weiter: „Pferd samt Decke in Schlucht abgestürzt.“

In den 1970er Jahren bauten die Besitzer der Alpenrose und Waxeggalm den Steig durch die Klamm sukzessive zu einem Fahrweg aus. Die Belieferung hinauf zur Berliner Hütte erfolgte jedoch weiterhin mit Pferden, weil sich die Sektion Berlin nicht an den Kosten für Ausbau und Erhaltung beteiligte und daher für die Pächter ein Befahrungsverbot bestand. 1998 wurde am Wegende eine Materialseilbahn zur Berliner Hütte gebaut.

Mittlerweile verfügt die Berliner Hütte über 180 Übernachtungsplätze.


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