Die Ummerlander (Geschwister Dengg) im Interview
Wie seid ihr zu eurem Namen gekommen? Ist das womöglich der
Hausname eures Elternhauses?
Ja genau! „Ummerland“ ist der Hofname und das Geburtshaus unseres Vaters Josef Dengg. Der
Erbhof wird in 11. Generation von meinem Cousin Hannes und seiner Frau Franziska am Fuße vom
Schwendberg betrieben. Unsere Mame Frieda stammte aus einer
bekannten Tuxer SängerFamilie der Familie Kreidl, und hat gewissermaßen die Musik in unsere Familie getragen.
Stell kurz einmal deine Geschwister vor:
Stefan (geb. 1959) ist der Erstgeborene und spielt die Harfe.
Dann wären noch die Geschwister Martin (geb. 1961),
Christian (geb. 1962),
Claudia (geb. 1964),
Hermann (geb. 1965),
Josef (geb.1968) und der
„Nachzügler“ Klaus (geb. 1975).
Gemeinsam singen wir in einem, wie uns immer wieder gesagt wird, unverkennbaren 4-stimmigen Gesang.
Ihr musiziert seit fast 50 Jahren miteinander. Wie ist es dazu gekommen?
Hat Musik in eurer Familie immer einen besonderen Stellenwert gehabt? Unbestritten war unsere Mame Frieda das „Zugpferd“ des Familiengesangs. Zunächst wurde nur innerhalb der Familie, beispielsweise um den Adventkranz herum gesungen. Wir älteren Geschwister waren damals etwa 5-7 Jahre alt und haben dann bereits 2-3 stimmig gesungen. Der Vater war dabei nur ein stiller Zuhörer, hat sich aber immer an den schönen Klängen erfreut! Die ersten Auftritte haben wir dann in unseren Pyjamas in der alten Bauernstube „vor und für die Fremden“ (Feriengäste) absolviert. Die Mame hatte bereits in den 60iger Jahren eine Zimmervermietung betrieben und uns Kinder am Abend liebevoll motiviert „no uas zu singen, a Guata Nocht zu winschen und åft ab!“ Als die Mutter dann leider viel zu früh verstorben ist, haben wir in ihrem Sinne mit dem Musizieren weitergemacht, auch wenn sie ein großes Loch herausgerissen hat.
Zudem haben wir das große Glück, dass alle Geschwister weiterhin im Zillertal wohnhaft geblieben sind und gut miteinander harmonieren. Vor Kurzem kam es zu einer CD Präsentation der besonderen Art: Franz Binder, Musiker vom Bachhäusl Dreigsang aus Kaltenbach, hat über den Zeitraum von eineinhalb Jahren ein Herzensprojekt verwirklicht und die Seele der echten Zillertaler Volksmusik auf CD gepresst. Auf 2 CDs finden sich über 70 alte Ziehharmonika Stücke und auf weiteren 3 CDs findet sich altes Liedgut aus drei Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst.
Die Geschwister Dengg wirken dabei auch mit. War das auch euch ein spezielles Anliegen?
Natürlich! Für die verschiedenen CDs war uns speziell auch die Liedgutauswahl ein Anliegen. Alles schöne und traditionelle Lieder und Gesänge. „A wia friaga“ (Wie früher) und passend für die verschiedenen Jahreszeiten: den Långes (Frühling), an Summa (Sommer) und Herbescht (Herbst).
Was habt ihr grundsätzlich alles im Repertoire?
Wir singen hauptsächlich altes Zillertaler Volksliedgut. Vom Anklöpfeln, über Adventmessen, Sängertreffen und Beerdigungen. Auftritte haben wir im Laufe der Jahrzehnte viele gehabt. Von Franz Posch „Mei liabste Weis“, über diverse Sängertreffen bis hin zum „Klingenden Österreich“ von Sepp Forcher. Textet und komponiert ihr auch selbst? Nein, das tun wir nicht. Wir haben es uns vielmehr zum Ziel gesetzt, das alte Liedgut der Vorfahren zu bewahren und weiterzugeben.
Dabei wird das meiste immer nur mündlich überliefert und ist leider auch vielfach bereits zu Grabe getragen worden. Aus diesem Grund müssen wir auch unbedingt noch unseren Onkel Lois (90 Jahre jung) von den ehemaligen „Tuxer Sängern“ „stark beanspruchen“!
Von den altgedienten und bekannten Zillertaler Volksmusikanten spielt und singt ein Großteil nur nach Gehör. Wie ist das bei euch?
Wir richten uns in erster Linie nach den „Ohrwaschln und dem Zualosen“. Noten sind hier zweitrangig. Als Geschwister sind wir naturgegeben eng stimmenverwandt und seit über 50 Jahren in der Musik aneinander gewöhnt und eben vertraut. Wir könnten sohin auch während eines Liedesdie Stimmen innerhalb der Brüder tauschen und niemand von den Zuhörern würde es merken. Unsere Schwester Claudia ist aber bei bestimmtem Liedgut auch sehr wichtig durch ihre hohe Stimme.“
Gibt es ein Lieblingslied oder unverkennbares Bravourstück der Ummerlander?
Lieblingslied würde ich nicht unbedingt sagen. Ein einmaliges Erlebnis ist in der Adventszeit immer eine Klöpflmesse. Unser typischer 4-stimmiger Brüder Dengg Gesang begleitet von der Harfe und eingebettet in den besonderen Klang einer Kirche und in Verbindung mit der ganz eigenen vorweihnachtlichen Stimmung. Klangtechnisch hat eine Kirche unwahrscheinlich viel von Resonanz, Nachhall, Klangverschmelzung und Obertonreichtum zu bieten. In Bezug auf den Fortbestand eures Familiengesanges. Wie ist es um den Nachwuchs bestellt? Für Nachwuchs von sangesfreudigen Kindern und Enkeln ist gesorgt und so Gott will wird es die Geschwister Dengg, oder im Zillertal besser bekannt: als die Ummerlander, auch noch in 50 Jahren geben! Wir musizieren gerne gemeinsam in der Familie und alles andere werden wir sehen.






