Interview: Schwendberger Geigenmusig

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war die Geige, besonders im Ziller-, Isel- und Passeiertal, ein unverzichtbares Instrument, vor allem für die Tanzmusik. Vom „Ziacha“ wurde sie dann etwas in den Hintergrund gedrängt. Die fünf Mander der „Schwendberger Geigenmusig“ lassen die alte Tradition wieder aufleben. Seit 1991 spielen Michael Kirchler (1. Geige), Roland Brandner (2. Geige), Johann Schöser (Harfe), Thomas Rauch (Knopfziacha) und Fritz Gasser (Bassgeige) zusammen als Nachfolge-Gruppe der „Schwendberger Hochzeitsmusig“. Michael musizierte bereits mit zwölf Jahren - in Vertretung seines Großvaters HansKirchler, wenn dieser verhindert war - bei der Hochzeitsmusig mit. Heute spielt die „Schwendberger Geigenmusig“ hauptsächlich auf Hochzeiten, bei Geburtstagen, Musikantentreffen oder Kirchtagen.
„Zillertal.net“ traf sich mit dem 55-jährigen Autodidakt Roland, der auch bei den „Zillachtoler Dialect-Musig“-Rockern „Ciela“ aktiv ist, zu einem Gespräch.
Was fasziniert so sehr an der Geigenmusik?
Wenn man beim Spielen bemerkt, dass bei den Zuhörern echte Freude aufkommt. Früher gab es ja viel mehr Geigenmusik. Ich sehe da immer die Menschen vor mir, die hart arbeiten mussten und sich trotzdem noch die Zeit nahmen, mit Geige zu musizieren. Das war ehrliche Musik, die heiter und melancholisch zugleich wirkte und den Menschen noch viel mehr gegeben hat. Diese Geigenmusik von damals wurde noch höher geschätzt, wahrscheinlich, weil es nicht soviel anderes gab.
Euer Spielgut besteht – vor allem – woraus?
Aus alten Stücken und (Volks-) Weisen, die wir von unseren Vorgängern übernehmen konnten, direkt überliefert allein über das Gehör.
Auf eurer einzigen CD ist ein Siegel mit der Aufschrift „Echtes Tiroler Kulturgut“ abgebildet. Was ist darunter zu verstehen?
„Echtes Tiroler Kulturgut“ deshalb, weil die Lieder einige Jahrzehnte alt sind und stets weiter übermittelt wurden. Wie schon gesagt, früher war die Geigenmusik sehr verbreitet, kam noch so richtig aus dem Volk heraus, da war noch nichts Kommerzielles dabei. Wir musizieren ebenfalls noch aus Freude und möchten so diese Tradition weitervermitteln –alles natürlich ohne Verstärker.
Was macht eure Instrumentenmischung so besonders?
Damit Geigenmusik richtig gut klingt, braucht es mindestens vier Leute. Wir sind fünf und ich glaube, diese Zusammensetzung von zwei Geigen, einer Bassgeige, einer Harfe und einem Ziacha, erzeugt einen harmonischen Klang. Zudem spielen wir ohne Noten, einfach rhythmisch und aus dem Gefühl heraus, was erst den richtigen „Schmiss“ ergibt. Unsere Musik soll dem Zuhörer ins Herz gehen und „in die Füße fahren“.
Bei Ciela komponierst und textest du unter anderem. Gibt es auch bei der „Schwendberger Geigenmusig“ Eigenkompositionen?
Vielleicht komponiere ich für die Geigenmusig, wenn ich in Rente bin und mehr Zeit habe (lacht). Ja, ich würde das schon ganz gern noch machen.
Musik bedeutet für dich persönlich?
Neben der Familie das Wichtigste im Leben.
Kontakt:
Schwendberger Geigenmusik
Michl Kirchler
6283 Schwendberg
05 282 / 41 95
oder Roland Brandner 6283 Ramsau 309
05 282 / 50 905
Interview | August 2011






