Die Tuxer Sänger im Interview
Sie bringen einen dazu mitzusingen, auch wenn man nicht gut bei Stimme ist. Sie betreten den Raum, strahlen und fangen an zu singen. Die Folge: Gänsehaut am ganzen Körper. Sie sind legendär, einzigartig und ohne zu übertreiben exzellente Sänger:
Max Egger (90), Lois Kreidl (80), Hans Schweng (75) und Hans Rainer (55) - „Die Tuxer Sänger“.

Vor vier Jahren haben sie ihr 50-jähriges Bestehen in der Hohenhaus Tenne in Hintertux gefeiert. Sie sind sogar als Bronze- und Holzfiguren verewigt - Schürzenjäger Alfred Eberharter hat die Tuxer Sänger in Bronze gegossen. Übertreibung? Nein, auf keinen Fall, denn was diese Männer erlebt, erreicht und ersungen haben, würde das ganze Heft an Anekdoten füllen.
Die Besetzung heute
Gegründet wurden die Tuxer Sänger im Jahr 1958. Heute bestehen sie noch aus dem Bauern und Gastwirt Lois Kreidl, dem Bauern Max Egger, dem ehemaligen VSDirektor Hans Schweng und dem bekannten Bariton und ehemaligen Mitglied des Tiroler Landestheaters Hans Rainer.
Wie alles begonnen hat
Egger war Ende der 50er Jahre beim bekannten „Mayrhofner Trio“ und lernte dort Kreidl kennen. „Einen besseren Gesangslehrer wie Max gibt es nicht“, ist Kreidl heute noch überzeugt. Angefangen haben die Tuxer Sänger eigentlich als Sextett. 1961 dann die Wende - Hans Schweng, damals noch Lehrer, später Direktor, kam zu den Tuxer Sängern. Egger kann sich noch genau an seine erste Begegnung mit Schweng erinnern.
Er stand vor meiner Tür und sagte: „Herr Egger, i tat gern mit Ihnen singen“, und so hat alles angefangen. Schweng übernahm damals auch die Geschicke des Kirchenchores Tux und war erster Chorleiter des neu gegründeten Zillertaler Lehrerchores. 1976 kam das langjährige Mitglied des Tiroler Landestheaters, Hans Rainer zu den Tuxer Sängern. Zuerst spielte er nur Akkordeon, später übernahm er die Bassstimme.
Ein Quartett singt a capella und erobert die Herzen
In der Besetzung als Quartett waren die Tuxer Sänger sehr aktiv. Dutzende Adventsingen im In- und Ausland, Auftritte beim Stanglwirt etc. folgten. Sie waren zweimal zu Gast bei „Klingendes Österreich“ und 1973 beim Alpenländischen Singen in Luzern. „Legendär waren auch die zahlreichen Frühschoppen, bei denen wir gesungen haben“, erklärt Kreidl. Zudem waren die stimmgewaltigen Männer in Wien bei Heinz Conrads zu Gast, um nur einige Auftritte zu nennen. „Zweimal im Jahr haben wir fix beim Stanglwirt gesungen“, erinnert sich Egger zurück. „Wir sind in die Häuser hinein, stimmten ein Lied an und die Leute hörten uns fasziniert zu. Einmal haben wir sogar einen Geburtstag auf einer Alm gesungen. Wir wurden gefragt, ob wir mit dem Hubschrauber hinauf möchten, da haben wir natürlich nicht nein gesagt“, schmunzelt der rüstige 90-Jährige.

Jeder Ton sitzt - Proben völlig überflüssig
Was die Tuxer Sänger so einzigartig macht? „Wir setzen uns zusammen, stimmen ein Lied an und jeder Ton sitzt“, erklärt Rainer. Und das, obwohl die Männer so gut wie nie probten. „Geprobt wurde immer im Auto - am öftesten auf der Fahrt von Tux nach Mayrhofen“, erinnern sich die drei heute zurück.
Das Repertoire der Tuxer Sänger ist vielseitig: Sie singen sämtliche Tiroler Volkslieder, Zillertaler Lieder, einige Kärntnerlieder u.v.m. „Ich habe eine Aufnahme von uns zuhause, wo wir fast 24 Stunden durchsingen, ohne jemals ein Lied zu wiederholen“, erklärt Rainer. Zu „buchen“ gibt es die Tuxer Sänger nicht mehr. Für Schweng ist es beschwerlicher geworden mitzusingen. Seine Dienste als Kirchenchorleiter von Tux hat vergangenes Jahr sein Gesangskollege Rainer übernommen, welcher jetzt auch den Kirchenchor Mayrhofen leitet und Gesangsunterricht gibt. „Wir singen noch bei Geburtstagen, oder wenn wir so wie heute zusammenkommen“, sind sich die drei einig und stimmen wieder ein
„… Ich grüße dich, viel tausendmal, mein Heimatland Tirol…“
Ob ich mitsinge? Ja sicher doch!
Kontakt:
Die Tuxer Sänger
6294 Hintertux
Interview | Mai 2012







